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Freitag, 14.12.2018

Gymnasium am Rotenbühl wird erste saarländische „Botschafterschule des Europäischen Parlaments“

Bildungsminister Ulrich Commerçon hat gestern zusammen mit dem Europa-Abgeordneten Jo Leinen das Gymnasium am Rotenbühl als „Botschafterschule des Europäischen Parlaments“ ausgezeichnet. Die Schule ist damit deutschlandweit nur eine von 55 Schulen, die sich so nennen darf. Gewürdigt wurde die Schule auch als „Best Practice Erasmus+ KA2 Projekt“ von der Kultusministerkonferenz.

Bildungsminister Ulrich Commerçon: „Das Gymnasium am Rotenbühl zeigt, dass die Europäische Union kein abstraktes Konstrukt ist, sondern dass jeder bei Europa mitmachen kann. Ja sogar muss! Was wir heute als Selbstverständlichkeit empfinden, ist von den Generationen davor leidenschaftlich erarbeitet worden – vor allem durch Begegnungen und Diskurs. Das Gymnasium am Rotenbühl knüpft daran genau im Kleinen an: Es füllt die EU weiter mit Leben und Sinnhaftigkeit, damit sie noch besser, noch freier und noch gerechter werden kann. Damit sie weiter Bestand hat und wehrhaft gegen jene bleibt, die sie abschaffen wollen.“

Neben Schulpartnerschaften, einem bilingualen Zweig und „Jugend debattiert“ beteiligt sich das Gymnasium seit Jahren rege an Demokratieerziehung und politischer Bildung. Schüler_innen und Lehrkräfte nehmen z.B. teil
- am 1. Europäischen Jugendforum im Saarländischen Landtag,
- an „100 Botschafter für den Frieden“ (Entsendung von 2 Friedensbotschaftern),
- an der Europawoche (EU-Projekttag 2018, Europa-Klassen im Landtag seit 2016, Brüsselfahrt der Schülerzeitungsredakteure seit 2015),
- an „Europa macht Schule“ des DAAD,
- an Erasmus+ Projekten seit 2013 / Comenius zwischen 2010 und 2013 (Schülerprojekte und Lehrerfortbildungen, auch international) oder
- an PASCH-Projekten (Hospitation von Lehrkräften aus dem Ausland im Deutschunterricht des Gymnasiums).

„Wir leben jetzt seit über 70 Jahren ohne gewaltsame Konflikte zwischen den Völkern. Das ist der eigentlich größte Erfolg der Europäischen Union. So etwas hat es in der europäischen Geschichte bisher noch nicht gegeben. Dieser bis heute währende Friede wurde möglich, weil wir durch Begegnungen Nähe und Austausch geschaffen haben“, sagt Minister Ulrich Commerçon, der auch Beauftragter der Länder für den Bereich Bildung im Rat der Europäischen Union ist.
           
Hintergrund
Das Zertifikat „Botschafterschule für das Europäische Parlament“ ist Teil des Projekts „Europa in der Schule“ des Europäischen Parlaments. Die Aufnahme als Botschafterschule soll den Aufbau eines europaweiten Netzwerkes zwischen Schulen unterstützen, das Bewusstsein in Schulen für Europa und das EU-Parlament stärken und den EU-Gedanken mit Leben füllen. Begonnen hat das Programm 2015/16 mit Schulen in fünf Bundesländern. 2017 erfolgte die Erweiterung des Programms auf elf Schulen in Deutschland. Bis heute konnten 55 Schulen aus zwölf Bundesländern als „Botschafterschulen für das Europäische Parlament“ zertifiziert werden, darunter nun auch das Gymnasium am Rotenbühl als erste Schule im Saarland.

Schüler_innen (sogenannte Juniorbotschafter_innen) beschäftigen sich damit noch intensiver mit dem Thema Europa. Unter anderem durch den Austausch mit anderen Botschafterschulen – national und international – sowie durch die Zusammenarbeit mit dem Europäischen Parlament. Die Juniorbotschafter_innen betreuen die Europa-Angebote ihrer Schule und helfen bei der Organisation von Projekttagen. Sie nehmen an Botschafterkonferenzen teil und können sich auch an Projekten, wie z.B. dem European Youth Event (EYE) in Straßburg, beteiligen.

Lehrkräfte (sogenannte Seniorbotschafter_innen) wiederum koordinieren die Aktivitäten an ihrer Schule und pflegen den Kontakt mit dem Informationsbüro des Europäischen Parlaments sowie mit anderen Botschafterschulen, z. B. bei regelmäßig stattfindenden Seniorbotschafter-Seminaren in Brüssel. Seit 2013 nehmen regelmäßig Schüler_innen und Lehrkräfte des Gymnasiums am Rotenbühl an Erasmus+ -Projekten teil, die von der EU gefördert und begleitet werden.

Dank der herausragenden Arbeit, auch in der Lehrerfortbildung, wird das Gymnasium am Rotenbühl vom Pädagogischen Austauschdienst der Kultusministerkonferenz zusätzlich mit dem Zertifikat „Best Practice Erasmus+ KA2 Projekt“ ausgezeichnet.

Marija Herceg, Pressesprecherin

Europäisches Jugendforum in Saarbrücken

Die großen Probleme müssen gemeinsam in der EU gelöst werden

Zum ersten Mal veranstaltete das Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments in Deutschland gemeinsam mit dem Saarländischen Landtag das Europäische Jugendforum in Saarbrücken. Über 80 Schüler*innen der Gemeinschaftsschule Kirkel, des Arnold-Jannsen-Gymnasiums St. Wendel, des TGSBBZ Saarlouis und des Gymnasiums am Rotenbühl Saarbrücken diskutierten gemeinsam mit Abgeordneten des Europäischen Parlaments und des Landtages des Saarlandes ihre Vorstellungen über Europa. Der Einladung folgten Stefan Eck, MdEP (GUE/NGL), Helma Kuhn-Theis, MdL (CDU), Dennis Lander, MdL (Die Linke), Rudolf Müller (AfD) und Isolde Ries (SPD).

Im Plenarsaal des Saarländischen Landtages begrüßte der Landtagspräsident Stephan Toscani am Morgen die Schüler*innen. Aufgrund unterschiedlicher Heimatorte und Schulformen boten Sie einen interessanten Querschnitt saarländischer Jugendicher und ihrer Wünsche für ein zukünftiges Europa. Nach der Eröffnung identifizierten die Jugendlichen in Fachausschüssen bestehende Probleme und entsprechende Lösungsvorschläge in den Themenfeldern Ernährung, Handel und Umwelt.

In einer Europadebatte am Vormittag stellten die Schüler*innen sich diese Maßnahmen gegenseitig im Plenarsaal vor und warben um Zustimmung aller übrigen. Es entwickelten sich lebhafte Diskussionen mit vielen lobenden Hinweisen und kritischen Anmerkungen. Am Nachmittag dann wurden die Vorschläge mit den Abgeordneten diskutiert.

Für den Ausschuss „Handel“ präsentierten Max Umansky und Laura Tasche ihre Idee zur Förderung des lokalen Handels: Das „regionale Regal“ in Supermärkten, in dem für Produkte aus der Gegend geworben wird. Wichtig war den Teilnehmenden hierbei, dass die Produkte aus einem Umkreis von 100km stammen und demnach „Region“ über nationale Grenzen hinausgedacht wird. Landtagsabgeordnete Kuhn-Theis bestärkte die Jugendlichen in ihrem Vorschlag: „Im Landkreis Merzig gibt es tolle Wochenmärkte auf denen Erzeugnisse aus Deutschland, Luxemburg und Frankreich angeboten werden. Es wäre toll, wenn ein Regional-Regal im Supermarkt es den Einkäufer*innen leicht macht, regional und umweltfreundlich einzukaufen.“

Der Ernährungsausschuss sah in der Reduzierung der Massentierhaltung ein wichtiges europäisches Ziel. Um den Fleischkonsum und damit die Tierhaltung zu reduzieren, schlugen Marvin Junker und Gülischan Suleyman vor, die reduzierte Umsatzsteuer auf Fleischprodukte, die in Deutschland wie für andere Lebensmittel bei 7% liegt, auf den regulären Mehrwertsteuersatz anzuheben. Die Mitschüler*innen merkten kritisch an, dass höhere Preise letztendlich die Bürger*innen belasten. Diese Maßnahme wurde deshalb mit 13 Ja-Stimmen, 29 Gegenstimmen und 23 Enthaltungen abgelehnt. Landtagsabgeordnete Ries sah zwar auch die Verbraucher*innen in der Verantwortung ihr Verhalten zu verändern und auf Fleischkonsum möglichst zu verzichten. Sie unterstützte ebenfalls vorgeschlagene Aufklärungskampagnen zur Fleischherkunft und -produktion, hielt es aber auch für den falschen Weg die Umsatzsteuer anzuheben, da er Bürger*innen mit wenig Einkommen ausschließe. „Die EU sollte lieber die Vergabekriterien für Subventionen anpassen und mehr Bio-Landwirtschaft fördern.“

Ein Plädoyer für die Reduzierung von Plastikmüll und die Einführung eines einheitlichen Recycling- und Pfandsystems in der EU hielten Carlo Klinkner und Carola Lorang. Somit könnten Firmen in Grenzregionen wie dem Saarland nicht nationale Bestimmungen umgehen und ihren Müll dort entsorgen, wo es günstiger sei ihn zu verbrennen statt zu recyceln. Diese Maßnahme wurde mit großem Lob fast einstimmig bei nur zwei Enthaltungen vom Plenum angenommen. Der Europaabgeordnete Eck motivierte die Jugendlichen in ihren Überlegungen noch weiter zu gehen und ein generelles Verbot für „unnötiges“ Plastik, d.h. wenn es nicht aus hygienischen Gründen unvermeidbar sei, einzufordern. Der AfD-Abgeordnete Müller vom Saarländischen Landtag widersprach einer europaweiten Lösung: „Mein Müll in Deutschland landet nicht im Meer. Müllentsorgung sollte eine nationale Aufgabe bleiben. Ein EU-weites Recycling-System wäre nicht demokratisch legitimiert, da das europäische Parlament nicht demokratisch ist.“ Sein Landtagskollege Lander widersprach unter massivem Beifall der Teilnehmenden deutlich: „Es gibt Stimmen, die die EU aus unterschiedlichen Gründen reformieren wollen. Aber das Europäische Parlament wird demokratisch von allen EU-Bürger*innen gewählt und es gehört zu den europäischen Werten, dass alle Menschen gleich sind.“

Ein Presseteam bestehend aus neun Schülerinnen und Schülern der vier teilnehmenden Schulen begleitete die Veranstaltung journalistisch unter Anleitung von politikorange, einem Projekt der Jugendpresse Deutschland. Die Artikel und Impressionen finden sich auf https://politikorange.de/thema/epjugendforum/ und in den sozialen Netzwerken unter #EPjugendforum .

Das nächste Europäische Jugendforum findet am 28. September im niedersächsischen Landtag in Hannover statt.

 

 

 

Europawoche 2018

„Europa bedeutet für mich Frieden und Freiheit“

Das Gymnasium am Rotenbühl in Saarbrücken beteiligt sich an der Europawoche 2018

Jedes Jahr bietet das Gymnasium am Rotenbühl (GaR) in Saarbrücken Aktivitäten im Rahmen der deutschlandweit stattfindenden Europawoche an, dieses Jahr war sie für das GaR jedoch ein neuer Höhepunkt.

Der EU-Projekttag am GaR

Begonnen hat die Europawoche 2018 am GaR gleich mit einem Highlight: dem Besuch des saarländischen Ministers für Finanzen und Europa, Peter Strobel, am 03.05.2018. Mit Beteiligung von Schülerinnen und Schülern der 10a1, 10ab und dem Politikkurs 11 von Frau Anne Christine Meilchen moderierte der Elftklässler Julius Groß die Diskussion mit Herrn Strobel, nachdem Hannes Hofer und Andrès Schiele aus dem Politikkurs 11 sich kritisch mit der Frage auseinandersetzten, ob die EU eine Werte- oder Wirtschaftsgemeinschaft sei. Nachgefragt nach der eigenen Meinung zu Europa durch Herrn Minister Strobel, antwortete der Schüler Moritz Eichinger: „Europa bedeutet für mich Frieden und Freiheit.“

In einer parallel stattfindenden Veranstaltung diskutierten Schülerinnnen und Schüler der 10b, ihre Sozialkundelehrerin Frau Andrea Kirchner und der Politikkurs 11 von Herrn Marco Fuchs-Schneider mit der Landtags-Vizepräsidentin Frau Isolde Ries, den Landtagsabgeordneten Frau Dagmar Ensch-Engel und Frau Jutta Schmitt-Lang sowie dem Vorsitzenden der Jungen Liberalen, Herrn Julien Simons, über die EU und ihre aktuellen Herausforderungen.

Die Europa-Klassen im Landtag

Die Schülerinnen und Schüler der 10ab hatten am Freitag, den 04.05.2018, die Chance, gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin Frau Natascha Nischik und ihrer Sozialkundelehrerin Frau Yvonne Meiser-Franz, ihre Ideen und Fragen zur EU im Landtag mit Landtagsabgeordneten und weiteren saarländischen Schülerinnen und Schülern zu diskutieren. In der Vorbereitung hatte die 10ab sowie zusätzlich die 9b am 26.04.2018 in Kooperation mit Europe Direct Saarbrücken die Möglichkeit, mit dem Politikwissenschaftler und Europaexperten, Herrn Dr. Cornelius Adebahr, über ihre Fragen zur EU zu sprechen. Durch die Veranstaltung im Landtag bekamen die Schülerinnen und Schüler einen tieferen Einblick in die Arbeit des saarländischen Parlaments, so dass sie sich nun stärker in die Politik einbezogen fühlen.

Die Brüsselfahrt der Schülerzeitungsredakteure des GaR

Neben diesem regionalpolitischen Einblick konnten die Schüler Moritz Eichinger und Carlo Klinkner mit 20 weiteren saarländischen Schülerzeitungsredakteuren vom 07. bis zum 08.05.2018 die Europastadt Brüssel erkunden und mit Unterstützung der saarländischen Landesvertretung bei der EU die europäischen Institutionen kennenlernen. Die politikinteressierten Jugendlichen empfanden diese Fahrt als sehr bereichernd, denn so konnten sie das Europaparlament und die EU-Kommission, über die sie im Unterricht schon so viel gelernt hatten, vor Ort besichtigen. Die beiden sind außerdem gemeinsam mit Julius Groß und Andrès Schiele neben den Seniorbotschaftern Frau Anja Barbian und Herrn Oskar Dawo Juniorbotschafter des GaR im Programm „Botschafterschule für das Europäische Parlament“.

Warum eigentlich Europawoche?

Seit mehr als zehn Jahren findet um den 9. Mai deutschlandweit die Europawoche statt. Sie erinnert an die Rede Robert Schumanns vom 9. Mai 1950, in der er die Idee einer Produktionsgemeinschaft für Kohle und Stahl vorstellte. Die daraufhin gegründete Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS/Montanunion) bildete den Grundstein für die heutige Europäische Union. Hauptziel dieser Wirtschaftsunion war die Sicherung des innereuropäischen Friedens nach Ende des Zweiten Weltkrieges durch gegenseitige Kontrolle der kriegswichtigen Güter und die Sicherstellung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus. In dieser Europawoche finden viele Veranstaltungen statt, die für den Europagedanken werben.

Europa am GaR während des Schuljahres

Schulleiterin Frau Jutta Bost betont, dass der Europagedanke am GaR jedoch nicht nur in der Europawoche großgeschrieben wird. Seit Beginn des EU-Programms Erasmus+ führt das GaR EU-finanzierte Schüler- und Lehrerprojekte durch. Am aktuellen Schülerprojekt „International Career Centre“ zur Berufs- und Studienorientierung in Europa sind neben Zehnt- und Elftklässern des GaR Schülerinnen und Schüler aus Finnland, England, Spanien und Frankreich beteiligt. Darüber hinaus finden am GaR jedes Schuljahr für die Klassenstufen acht bis zehn Schüleraustausche mit Schulen in Boston und Birmingham, England, sowie Chiclana, Spanien, die die Lehrkräfte Frau Bernd, Dörr, Frau Hoffmann-Rahmen, Frau Kolacki, Frau Leis und Herr Azizi organisieren, statt. Durch das Projekt „Europa mach Schule“ bekommen Schülerinnen und Schüler des GaR jedes Jahr einen Einblick in ein europäisches Land. Dieses Schuljahr stellte die ukrainische Studentin Alona Daneikina der 8b und ihrer Geschichtslehrerin Frau Anja Barbian ihr Land und seine Traditionen vor.

Auch die Vermittlung der Geschichte Europas ist dem GaR äußerst wichtig. Zur Besprechung des Ersten Weltkrieges trafen sich die Schülerinnen und Schüler der 9a1 mit ihrer Klassen- und Französischlehrerin Frau Sandra Brabenetz und ihrem Geschichtslehrer Herrn Patrick Noll mit einer Klasse aus dem französischen Bayeux vom 9. bis zum 11. April in Verdun. Die zehnten Klassen besuchen zur Aufarbeitung des Holocausts jedes Schuljahr das ehemalige Straf- und Arbeitslager Natzweiler/Struthof in Lothringen. Die Lehrfahrten werden im Unterricht der Fächer Ethik/Religion und Geschichte entsprechend vor- und nachbereitet.

Ein GaRant für Europa

Die Vermittlung des Wissens zu Europa steht immer im Zusammenhang mit der Förderung der sozialen, sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler. Durch das Ziel, mit diesen Aktivitäten den Europagedanken zu verbreiten, sieht sich das GaR zudem als eine Schule an, an der die Werte der Toleranz, Offenheit, Freiheit, Solidarität, Wertschätzung, Gemeinschaft, nicht nur großgeschrieben, sondern gelebt werden.

Anja Barbian