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Freitag, 18.01.2019

Musikunterricht mal anders: Die weite Welt der Filmmusik

Der 11er Grundkurs Musik unter der Leitung von Herr Fuchs-Schneider hat im ersten Halbjahr des Schuljahres 2011-12 mal darauf verzichtet Stücke von Bach oder Schubert zu analysieren, sondern der Lehrplan schlug vor sich mit einer ganz besonderen Art zeitgenössischer Musik zu beschäftigen: Es wurde eine Unterrichtseinheit gestaltet, die das Thema "Filmmusik" behandelt.

Dafür wurde ein weiteres Mitglied unseres Lehrerkollegiums hinzugezogen. Herr Simshäuser, eigentlich Lehrer für Deutsch und Geschichte, der sich privat als Hobby mit Filmmusiken befasst, begleitete den Kurs drei Wochen und führte verschiedene Begriffe der Filmmusik ein:

Wir begannen zunächst damit, vorgespielte Titelmelodien bestimmten Filmgenres zuzuordnen, um zu schauen, auf welch unterschiedliche Arten man Filme musikalisch beginnen lassen kann.

Anschließend erarbeiteten wir bestimmte Besonderheiten der Filmmusik:
Von bekannten, älteren Filmen wie "Psycho" von Alfred Hitchcock über Westernklassiker wie "Spiel mir das Lied vom Tod" bis hin zu modernen Filmen wie "Moulin Rouge" reichte die Palette. Anhand von John Williams weltbekannter Musik zu "Star Wars" erfuhren, was die Mood-Technik ist. Der Einsatz von Stücken von Beethoven oder Puccini in Stanley Kubricks "A Clockwork Orange" bewies uns, wie man mit Musik auch die Erwartungshaltungen der Menschen, die einen Film schauen, brechen kann (= Kontrapunktierung).

Die Klasse war sehr engagiert während dieser Unterrichtseinheit und fast ein wenig enttäuscht darüber, dass diese so schnell vorbei war. Herr Simshäuser äußerte sich ebenfalls positiv über die drei Wochen und schien sehr erfreut darüber auch mal im Musikunterricht sein Wissen vermitteln zu können.

Durch das große Interesse an diesem Thema, stellte Herr Fuchs-Schneider ein Projekt innerhalb der Klasse auf, welches sich noch weiter mit Filmmusik beschäftigt, nun aber auch unsere eigene musikalische Begleitung fordern sollte:

Zunächst schaute sich die Klasse eine Szene aus "Sophie Scholl" an, jedoch ohne jegliche Geräusche. Daraufhin stellt der Lehrer die Aufgabe: Schreibt die Musik selbst dazu!

Mit schreiben meinte er jedoch etwas wie improvisieren. Zu diesem Zweck brachten die Schüler, die ein Instrument spielen, ihre eigenen mit. Die anderen Schüler konnten die Instrumente aus dem Arsenal der Schule verwenden.
In kleinen Gruppen versuchten die Schüler nun un selbständig eine Szene zu vertonen, was sich als sehr anspruchsvoll gestaltete.

Jede Gruppe muss jedoch auch einen Bericht schreiben, der einen kurzen Überblick über ihrer Arbeit geben sollte.

Nach vier Unterrichtsstunden präsentierten die Gruppen ihre Ergebnisse vor der ganzen Klasse, während die Szene im Hintergrund (ohne Ton) gezeigt wurde.
Eine Gruppe verwendete das Keyboard, um Streicherklänge zu erzeugen zusammen mit Instrumenten aus der Percussion.
Eine andere Gruppe beschränkte sich nur auf Geige und Schlagzeug und wieder eine andere auf Klavier und Bongos. Sogar Gesang kam in einer weiteren Gruppe zum Einsatz.
Nach jeder Präsentation gab die Gruppe kurz Rückmeldung, wie und warum sie genau die Instrumente verwendet hatten und was sie mit ihnen (in der Szene) bezwecken wollten.
Die Klasse gab darauf hin ebenfalls Rückmeldung oder stellte Fragen an die Gruppe.

Auch Herr Simshäuser schaffte es, sich eine Präsentation anzuhören und äußerte sich sehr begeistert über unsere Ideen.

Über dieses Thema schrieb die Klasse auch eine Kursarbeit und Herr Simshäuser und Herr Fuchs-Schneider beschlossen diese erfolgreiche Unterrichtseinheit auf unsere Empfehlung hin, auch in künftigen Kursen einmal zu thematisieren.

Simone Rosinus

Improvisationsworkshop mit Mitgliedern des InZeit-Ensembles am Rotenbühlgymnasiums Saarbrücken im Herbst 2009

Erfahrungsbericht von Marco Fuchs-Schneider, Musiklehrer am Gymnasium am Rotenbühl, Saarbrücken

Montag, 16.11.2009, 19.30 Uhr auf dem Saar-Theaterschiff: 14 Schülerinnen und Schüler des Rotenbühlgymnasiums stehen am Ende eines außergewöhnlichen Konzerts auf der Bühne und werden gefeiert von den Zuhörern und den professionellen Musikern des InZeit-Ensembles Saarbrücken. Etwas verlegen sind die Schüler, so als könnten sie es nicht fassen: Waren wir das, die eine gute Stunde mit diesen hervorragenden „richtigen“ Musikern gespielt haben? Waren wir das, die wir uns noch vor 2 Monaten nicht getraut haben, auch nur eine Fünftonmelodie ohne Vorlage, völlig frei zu spielen? Waren wir das, die alle unsere Ängste überwunden haben und zu „so was“ imstande waren?
Ja, sie waren es.
Das Ganze begann im Sommer 2009, als ich mich mit Claas Willeke traf, und wir ein Konzept besprachen, welches das Ziel hatte, Schülerinnen und Schüler zu öffnen für selbst gespielte, frei improvisierte Musik. Die von Kompetenz getragene, menschlich angenehme Art ließ uns schnell vorankommen. Termine wurden vereinbart: 18. September, 1. Oktober, 13. Oktober, 3. November jeweils 2 Stunden im Rotenbühlgymnasium mit Claas Willeke, Julien Blondel und Stefan Scheib und am 9. November mit dem gesamten InZeit-Ensemble in der Musikhochschule. Interessierte Schülerinnen und Schüler mussten gefunden werden und fanden sich bald, obwohl kein Schüler so recht wusste, was „frei improvisierte“ Musik eigentlich ist.
Die erste Probe. Behutsame Einführung durch die drei Musiker, sehr systematisch. Man spürte: Die wissen, wovon sie sprechen und was sie auf ihren Instrumenten spielen. Man spürte die innere Haltung: entspannt in der Ansprache, aber mit großem künstlerischem Ernst im musikalischen Tun. Das begriffen auch die Schüler: Frei improvisieren hat nichts mit Beliebigkeit zu tun. Vielmehr mit: eigene Grenzen überwinden, Mut haben, konzentriert auf den eigenen Ton in sich und – ganz wichtig – die Töne der Mitspieler hören. Gemeinschaft entsteht. Auch mit den Leitern des Workshops, die später sagen werden (ebenso wie die anderen Mitglieder des InZeit-Ensembles), dass die Zusammenarbeit mit den Schülern auch für sie eine große Bereicherung darstellte. Auch mit den anderen Schülern, die gar nicht aktiv am Workshop teilnehmen, aber zuhören. Ein Gedicht entsteht aus diesem Kreis. Ein Gedicht, das später im Konzert von einer Schülerin rezitiert und den Spielern musikalisiert wird und zum zentralen Bestandteil der Improvisation wird.
Die Musizieranfänge: zaghaft, aber mit zunehmender Entdeckerfreude. Systematisch impulsiert von den Musikern. Eine Schülerin, Geigerin, wartet lange. Schaut gebannt, hört konzentriert zu. Was soll ich jetzt spielen? Dann der erste Ton. Der zweite. Eine melodische Wendung entsteht. Später im Konzert sitzt diese Schülerin in der ersten Reihe, und man hat das Gefühl, dass sie da immer schon saß.
Vielleicht ist das die wichtigste Erfahrung für die Schüler neben den erworbenen spieltechnischen Fertigkeiten, der Erfahrung mit hervorragenden Musikern musiziert zu haben, dem Eintauchen in zeitgenössische Musik, von deren Existenz man zuvor fast nichts wusste: eigene Grenzen zu überwinden, Neuland, auch seelisches Neuland zu betreten, sich zu ent-falten. Lernen durch Kunst, weit über die Kunst hinaus. Hier wurde dies Realität.
Vielen Dank den Schülerinnen und Schülern und dem InZeit-Ensemble für das beeindruckende Konzert.
Vielen Dank an Claas, Julien und Stefan. Ihr ward große Ermöglicher. Aus Sicht eines Pädagogen ist das das größte Kompliment, das man machen kann.