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Freitag, 24.05.2019

Freiwilligendienst im Ausland

Weit weg mal neu anfangen – vom Vorlauf und der Theorie
eines Freiwilligendienstes im Ausland

Ein Erfahrungsbericht von Janek Walla, Abiturient 2010

Es gibt nicht den einen Grund, warum man einen Freiwilligendienst macht. Die Motivation unterscheidet sich bei jedem und jeder, der oder die sich nach der Schulzeit aufmacht, ein Jahr in einem andern Land zu leben und dort in einem sozialen Projekt zu arbeiten. Ich kann also nur von meinen Beweggründen berichten.

Für mich war lange klar: Nach der Zeit auf dem Rotenbühl geht's ein Jahr ins Ausland. Mal was anderes tun, neues erleben und auch den Abstand von Bekanntem erfahren. Möglichkeiten dazu gibt es zuhauf.

Doch wer den Traum wirklich wahr machen will, muss  schon zu Beginn des letzten Schuljahres, also knapp 12 Monate vor der Ausreise beginnen, sich zu informieren und zu kümmern. Im Internet findet man schnell etliche große und kleinere Organisationen, die Freiwilligendienste, zum Beispiel im Rahmen des Programms „weltwärts“, anbieten. Viele Dienste können für die Jungen als Anderer Dienst im Ausland auch als Zivildienstersatz anerkannt werden.

So machten sich auch im letzten Jahr mit mir viele junge Leute mit Fernweh auf den Weg zu Info- und Orientierungstagen und schrieben fleißig Bewerbungen. Dazu mein Tipp: Es gibt bei fast allen Entsendeorganisationen mehr Bewerber als Plätze. Außerdem spezialisieren sich viele Organisationen auf bestimmte Gebiete oder Kontinente. Um also größere Chancen und bessere Vergleichsmöglichkeiten zu haben, empfehle ich, sich zumindest bei zwei bis drei Entsendeorganisationen näher zu informieren.

Oft finden dann gegen Februar Auswahltage statt, in denen die Entscheidung über das Jahr fällt. Wurde man bei einer Organisation angenommen, geht es nun los mit der Vorbereitung. So hatten wir kurz vor Ostern  ein 3-tägiges Vorbereitungsseminar. Anschließend beginnt dann die individuelle Vorbereitung. Das bedeutet unter anderem Visum, Impfungen und Öffentlichkeitsarbeit. Zudem muss jeder angehende Freiwillige einen Unterstützerkreis aufbauen, durch den man von Spendern während des Jahres in Form einer oftmals anvisierten Gesamtsumme von 150€ gefördert wird und welcher so zur Finanzierung des Dienstes beiträgt.

Wenn dann in den Sommermonaten die Ausreise immer näher rückt, gab es bei meiner Organisation noch einen 2-wöchigen Ausreisekurs in Bonn, auf dem man intensiv auf Kommendes vorbereitet wurde.

Ich habe mich letztendlich für einen Freiwilligen Friedensdienst bei der Evangelischen Kirche im Rheinland entschieden. So arbeite ich nun für 12 Monate in einer Schule für behinderte und nichtbehinderte Kinder in Nicaragua. Und genau von dort schreibe ich gerade diese Zeilen. Nach bisher zwei Monaten hier kann ich sagen: Es kommen zwar immer wieder neue Schwierigkeiten auf einen zu, es ist aber auch alles sehr aufregend und ich genieße die große Freiheit.

Wie bei mir gibt es quasi bei allen Freiwilligendiensten nach der Hälfte der Zeit ein Zwischenseminar im Gastland und nach der Rückkehr nach Deutschland noch ein kurzes Rückkehrerseminar zum Auswerten der Erlebnisse.

Wer nach der Schule möglichst viele Länder der Welt sehen möchte, auf  einen erlebnisreichen Abenteuerurlaub aus ist oder Geld verdienen möchte, dem würde ich von der Ableistung eines Freiwilligendienstes abraten. Und ein Freiwilliger ist auch kein völlig selbstloser Helfer, der in diesem Jahr die Welt verändert. Es geht viel mehr um einen Beitrag und auch um etwas, für sich selbst. 12 Monate in einem anderen Land mit den Menschen leben und den Alltag erfahren – so begreife ich für mich meinen Dienst. Und bisher wurden meine Erwartungen nicht enttäuscht.