Schulentwicklung - Schule gemeinsam entwickeln
Seit dem Schuljahr 2008/09 läuft an unserem Gymnasium ein breit angelegter Schulentwicklungsprozess, an welchem alle Gruppen des Schullebens aktiv und engagiert mitwirken.
Im Folgenden werden wir Sie über die Ziele, Schritte und Ergebnisse dieses Prozesses informieren.
Vom Weg von der Idee über die ersten Schritte hin zu einem ersten Zwischenergebnis berichtet unser Kollege Marco Fuchs-Schneider als Sprecher der Steuergruppe Schulentwicklung.
Schule entwickeln - Zum Stand der Dinge
Wie lässt sich eine Schule mit 1100 Schülerinnen und Schülern und knapp 90 Lehrerinnen und Lehrern „entwickeln“? Was heißt das eigentlich: eine Schule entwickeln? Wer definiert das? Wer steuert die Entwicklung? Muss eine Schule überhaupt entwickelt werden? Sollte das Gymnasium am Rotenbühl entwickelt werden?
Über 65% der Kolleginnen und Kollegen beantworteten auf einer Gesamtkonferenz Ende des vergangenen Schuljahres diese Frage mit ja. Vorausgegangen war ein Pädagogischer Tag an unserer Schule zum Thema Schulentwicklung. Herr Bernd Schäfer, Leiter des Fachbereichs Schulentwicklung am Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM), leitete diese Fortbildungsveranstaltung und führte die Kolleginnen und Kollegen auf profunde Weise in die Thematik ein.
Die Anregung zu diesem Pädagogischen Tag kam vom Schulleiter des Gymnasiums am Rotenbühl, Herr Kiefer, und dieser Impuls fiel auf fruchtbaren Boden. Natürlich gab es Entwicklung am Rotenbühlgymnasium schon immer – und gerade in den letzten Jahren besonders augenfällig. Die Schülerzahlen sind enorm gewachsen, ein neues Schulprofil mit drei Schulzweigen (neusprachlich, bilingual und leistungsportlich) entstand und vieles mehr. Aber bei der Initiative Schulentwicklung geht es um etwas anderes: Eine sorgfältig abgestimmte, an einem zu entwickelnden Leitbild orientierte Weiter-Entwicklung soll von der Basis , den Trägern des Schullebens, also: den Lehrerinnen und Lehrern, aber auch in gleichem Maße – und das war von Anfang an ein zentrales Anliegen der Verfechter von Schulentwicklung – den Schülern und Eltern, initiiert und gestaltet werden.
Dieser Veränderungsprozess braucht eine Steuerung. Dazu wurde eine sogenannte Steuergruppe aus Vertretern der Eltern- und Lehrerschaft und der Schulleitung gebildet. Diese Steuergruppe erhielt auf einer weiteren Gesamtkonferenz ein deutlich konturiertes, zunächst auf ein Schuljahr begrenztes Mandat.
Es konnte also beginnen. Die Grundlage der Arbeit war klar. Auf dem oben erwähnten Pädagogischen Tag gab es ja schließlich eine Stärke-Schwäche-Analyse. Daran konnte man anknüpfen und sofort die ersten konkreten Entwicklungsprojekte planen.
Aber es gab Zweifel, ein zunächst nicht klar zu identifizierendes Unbehagen. Dieses Unbehagen hatte zu tun mit der Frage nach dem angemessenen Rhythmus, dem rechten Zeitmaß, dem Verhältnis von Bewegung und Nicht-Bewegung. Ein Zuviel an Bewegung, Tempo, Atemlosigkeit führt zu Stillstand. Die Orchesterkomposition Lontano des Komponisten György Ligeti macht dies deutlich: eine hochdifferenzierte Mikrostruktur voller komplexer Bewegung ergibt den Höreindruck des stehenden Klanges. Ein Zuwenig an Bewegungsenergie, v.a. wenn es sich um die Weigerung handelt, Fließenergie von außen nach innen und umgekehrt, Kommunikation, zuzulassen, führt zu Erstarrung. Erstarrung bedeutet aber auch beschleunigte Bewegung – hin zum faktischen Zusammenbruch eines Systems. In Zeiten vermehrter Schulschließungen auch ein für eine staatliche Schule grundsätzlich denkbares Szenario. Das richtige Tempo, den angemessenen Rhythmus, das der jeweiligen Situation (und Situationen ändern sich laufend) angemessene Zeitmaß zu finden – das ist eine entscheidende Herausforderung und wohl auch eine hohe Kunst.
Zurück zu unserem Unbehagen. Am Pol der Erstarrung waren wir gewiss nicht zu nahe dran, wohl aber am Pol der zu beschleunigten Bewegung. Häufig stimmt der Satz, dass ein Projekt endet wie es begonnen hat. Sollten wir den Beginn behutsamer gestalten? Sollten wir noch einmal innehalten? Sollten wir eine umfassende, aufwendige, aber gründliche Gesamtbefragung machen? Damit wir wirklich wissen, was wir verändern wollen?
Zu diesen konkreten Fragen mutierte unser Unbehagen. Dann war es eindeutig:
Wir machen eine Gesamterhebung, befragen alle Schülerinnen und Schüler (zur Erinnerung: 1100), alle Eltern und natürlich alle Lehrerinnen und Lehrer. Die Steuergruppe entwickelte auf einer ganztägigen Klausurtagung im LPM unter professioneller Mithilfe des Evaluationsexperten Thomas Meyer standardisierte Fragebögen für Schüler, Eltern und Lehrer. Diese wurden zu Beginn des Schuljahres verteilt und vom LPM ausgewertet.
Die Ergebnisse waren sehr ermutigend. Alle drei an der Schulgemeinschaft beteiligten Gruppen fühlen sich sehr wohl am Gymnasium am Rotenbühl, es wurden die weltoffene Atmosphäre, das hohe Leistungsniveau, das professionelle Arbeiten und vieles mehr gelobt. Aber es gab natürlich auch Bereiche, in denen Entwicklungsbedarf gesehen wurde.
Um diese Bereiche genau zu identifizieren, fanden drei Deutungskonferenzen – eine der Eltern, eine der Schüler und eine der Lehrer statt.
Auf der ganztägigen Lehrerkonferenz präsentierten Vertreter der Schüler und Eltern vor dem versammelten Kollegium ihre Veränderungswünsche. Aus diesen und den von den Lehrern herausdestillierten Entwicklungsschwerpunkten wurde eine Rangfolge der Entwicklungsfelder festgelegt. Die vier am höchsten bepunkteten Entwicklungsfelder werden nun von Arbeitsgruppen bearbeitet.
Diese Arbeitsgruppen haben sich am 28. Januar 2010 konstituiert und arbeiten an den vier Themen:
- Lebensraum Schule (gemischte Projektgruppe mit Eltern, Schülern und Lehrern)
- Verbindliches Methodencurriculum für alle Jahrgangsstufen
- Kooperation und Konfliktlösung (ebenfalls eine gemischte Projektgruppe)
- Kommunikation Schulleitung – Kollegium.
Erste Maßnahmenvorschläge werden von den Arbeitsgruppen auf der Gesamtkonferenz am 10. März 2010 präsentiert und von dieser Konferenz (eine Woche später auch von der Schulkonferenz) diskutiert und verabschiedet, so dass erste konkrete Maßnahmen noch vor den Sommerferien auf breiter Basis umgesetzt werden können.
Und weiter?
Umfassendere Maßnahmen mit „Tiefenwirkung“ werden zu Beginn des neuen Schuljahres verabschiedet. Nach einer Testphase werden diese Maßnahmen selbstverständlich evaluiert und erst dann dauerhaft implementiert.
So könnte es gelingen. Und es ist jetzt schon viel gelungen. Selten zuvor fand ein solch reger Austausch zwischen Lehrern, Eltern, Schülern und den Vertretern der Schulleitung statt. Da wächst etwas zusammen, und es kommt – so komplex und in gewisser Weise auch heikel solch ein Schulentwicklungsprozess auch ist – Freude auf, an einem solchen Prozess beteiligt zu sein.
Marco Fuchs-Schneider
Studienrat, Sprecher der Steuergruppe Schulentwicklung
Austausch der Evaluationsergebnisse
Das derzeit laufende Schuljahr steht im Zeichen der Schulentwicklung:
Bereits seit dem letzten Schuljahr arbeitet eine Steuergruppe unter Leitung des Kollegen und Personalratsmitglieds Marco Fuchs-Schneider an diesem Projekt: Wie soll sich unser Gymnasium entwickeln in den nächsten Jahren? Welche Schwerpunkte sollen in der pädagogischen und fachlichen Arbeit gesetzt werden? Was soll das übergeordnete Leitbild unseres Gymnasium sein, dem sich alle am Schulleben beteiligten Gruppen verpflichtend fühlen in der täglichen Arbeit? Das sind die Kernfragen, die diskutiert werden sollen.
In einem ersten Schritt wurden zu Beginn des Schuljahres 2009/10 Kollegium, Eltern- und Schülerschaft in einer großen Fragebogenaktion an dem Schulentwicklungsprozess beteiligt. Hierfür hatte die Steuergruppe mit Unterstützung des Landesinstituts für Pädagogik und Medien (LPM) speziell auf die jeweiligen Gruppen an unserer Schule zugeschnittene Evaluationsbögen entworfen, die anonym beantwortet wurden.
Das LPM wertete die dort erzielten Ergebnisse in den letzten Wochen aus. Nun gilt es die dort gemachten Ergebnisse zu analysieren, um festzustellen, wo Lehrer, Eltern und Schüler die Stärken unserer Schule sehen, die es gilt, zu pflegen, aber auch die Punkte zu diskutieren, die besser laufen könnten und denen unser verstärktes Augenmerk gelten soll:
- Das Lehrerkollegium wird dies im Rahmen seines diesjährigen Pädagogischen Tages am 24.11.09 in einer gemeinsamen Aussprache im Plenum und anschließend in ersten Arbeitskreisen tun. An diesem Tag haben alle Klassen und Kurse unterrichtsfrei.
- Alle interessierten Eltern sind zu einer Deutungskonferenz am Samstag, den 21.11.09 um 9.30 Uhr, in die Schule eingeladen. Das offizielle Einladungsschreiben finden Sie hier.
- Ebenfalls am 21.11.09 kommen die Schülervertreter in der Schule zusammen, um die Auswertung der Schülerfragebögen zu beraten. Die Veranstaltung ist von 10.00 Uhr bis 13.30 Uhr angesetzt. Hier das offizielle Einladungsschreiben.
Die jeweilige Auswertung und Diskussion ist der nächste wichtige Schritt in unserem Schulentwicklungsprozess, über den wir regelmäßig auf unserer Homepage informieren werden.




