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Deutsch
Montag, 06-02-2012



Deutsch

Sicherheit in der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit, sowohl im Mündlichen als auch im Schriftlichen, und ein kompetenter Umgang mit Texten sind grundlegende Voraussetzungen für Studium und Beruf. Der Deutschunterricht trägt in besonderem Maße dazu bei, diese Fähigkeiten zu erwerben.

Die Hauptlernbereiche sind:

  • Sprechen und Schreiben
  • Umgang mit Texten und Medien
  • Reflexion über Sprache (Rechtschreibung, Grammatik, Wortlehre usw.)


An altersgemäßen Sachtexten lernen die Schülerinnen und Schüler, Informationen zu entnehmen. Daneben werden literarische Texte behandelt, welche auch ästhetische Kenntnisse vermitteln und zu einer reflektierenden Teilnahme am kulturellen Leben befähigen.

Einen weiteren Unterrichtsgegenstand bildet der Umgang mit den neuen Medien.
Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, sie verantwortungsvoll und kritisch als Arbeitsmittel und Informationsquelle zu nutzen.



Alles Barock heute noch? (Klasse 10)

Etwas das wohl jeder Schüler „liebt“: Lernen – jeder auf seine Art und Weise. Durch Stillarbeit, Gruppenarbeit, stundenlanges Grübeln, durch Eselsbrücken, durch einen guten Nachhilfelehrer oder manche haben auch das Glück einer natürlichen Begabung.

Bei dem Thema Barock durfen die Schüler der Klasse 10b2 den Stoff auf ihre ganz eigene Weise lernen: Eine Projektarbeit bei der ihnen vollkommen freie Hand gelassen wurde.
Logisch das hierbei auch ganz unterschiedliche Arbeiten entstanden sind. Es gab drei Filme und vier Fotoarbeiten , wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten.

Das Projekt mit der besten Noten, einer 15, war eines der Fotoprojekte von Alina, Adriane, Elena und Anna. Sie hatten drei Plakate, in denen sie die drei Motive Carpe Diem, Vanitas und Memento Mori vorführten. Es gab zu jedem Thema eine Geschichte mit einem zugehörigen Bild und Beispiele für die jeweilige Einstellung zum Leben. Als schöne Beispiele empfand die Klasse das Platzen einer Seifenblase und das Zerrinnen des Sandes in einer Sanduhr, als Zeichen für die Vergänglichkeit (Vanitas).

Zwei der anderen Fotoprojekte waren sich von der Grundidee her sehr ähnlich.  Es könnte daran liegen, dass die Gruppen zuvor eine waren und sich im Laufe der Arbeitszeit wieder getrennt haben. Beide Gruppen behandelten das Motiv Carpe Diem, was für „Lebe den Tag“ steht:
Eine Gruppe stellte einen Tagesablauf, angefangen mit einem verregneten aber doch heiteren Morgen, über eine Geburtstagsfeier mit Freunden bis hin zur heimlichen Party, dar. Diese Gruppe zeigte auch die Schattenseite von Carpe Diem, in dem sie auf dem letzten Foto darstellten, wie sich eine der Freundinnen übergibt, da sie es auf der Party übertrieben hatte; also den Tag zu sehr gelebt hat.
Die andere Gruppe erarbeitete für ihr Projekt eine Art Bilderalbum mit Aktivitäten, die für sie Lebensfreude ausdrücken, wie z.B.  Backen, was Kindheitserinnerungen weckt oder Singen, was das Peinlichkeitsgefühl verschwinden lässt.

Die letzte Fotogruppe legte mehr Wert  auf Witz. Sie überzeugten mit lustigen Sprüchen in Form eines Gedichts. Es geht um einen Jungen der seinen letzten Tag in seiner Stadt mit möglichst viel Spaß verbringen will. Ein Beispiel für einen Reim war: „Alle Freunde feuern ihn dabei an, wie Nico freizügig rumlaufen kann“.

Nun zu den Filmgruppen.  Auch hier waren alle drei Motive vertreten.
Angefangen hat eine Gruppe mit dem Motiv Vanitas, die Filmausschnitte von heruntergekommenen Industriegebieten zeigte und diese mit dramatischer Musik unterlegte. Von dem anfangs schönen Stück Land ist nicht mehr viel übrig geblieben – das wollte diese Gruppe demonstrieren.

Eine weitere Gruppe behandelte das Motiv Memento Mori. In ihrem Video über alltägliche Gefahren und Katastrophen, wie Flugzeugunglücke oder Autounfälle, unterlegten sie zu den einzelnen Ausschnitten jeweils Text mit den Anfangswörtern „Angst vor..“ .  Durch gute technische Kenntnisse wirkte das Video sehr professionell und auch Ausschnitte aus Filmkllassikern berührten die Mitschüler.

Die Ernsthaftigkeit ließ mit der letzten Gruppe dann wieder nach. Mit viel Witz erzählten sie die tragische Geschichte eines unbeliebten Jungen, der nur noch ein paar Tage zu leben hatte.  Das Motiv Vanitas kommt an diesem Punkt zum Vorschein, denn sein Leben ist vergänglich. Der Junge beschließt seine letzten Tage „zu leben“, verändert sein Auftreten und wird plötzlich von allen gemocht. Er genießt seine  letzten Tage, ganz nach dem Motiv „Carpe Diem“.

Diese spezielle Form des Lernen sorgte für viel Spaß und letztendlich mehr als zufriedene Schüler.

Laura Mathieu und Julia Port 



Märchen - ganz modern (Klasse 5)

Hänsel und Gretel -  Eine moderne Fassung
Jack und Mary
Es waren einmal zwei Kinder, die hießen Jack und Mary. Sie hatten einen lieben Vater und  eine böse Stiefmutter. Eines Tages gewannen die Eltern einen Gutschein für zwei Wochen Wellnesshotel. Für zwei Personen! Sie wussten nicht, wohin mit den Kindern. Da meinte die böse Stiefmutter: „Ich werde die reizenden Kinderchen zu meiner Großtante bringen.“ 
Das tat sie dann auch, und die Eltern fuhren beruhigt im ICE los.
Jack und Mary aber waren nicht sehr glücklich. Ihre Stiefurgroßtante war Automechanikerin. Sie zwang Jack, bei ihr eine Ausbildung zu machen. Mary musste jeden Tag neue Automodelle entwerfen. Eines Tages konnte Jack nicht mehr. Er ließ sich erschöpft auf der Motorhaube eines Autos nieder. Als die böse alte Frau das sah, sperrte sie Jack in einen Kofferraum. Mary musste jeden Tag Autoscheiben putzen. Doch dann fiel der Frau etwas ein. Sie wollte, dass Mary den Führerschein machte. „Los, steig ein!“,knurrte die Alte und schob das Mädchen zu einem BMW. „Ich weiß nicht, wie“, jammerte Mary. Die alte Kröte öffnete die Autotür. Da stieß Mary sie hinein und schloss den Wagen mit dem Schlüssel, den sie noch   in der Hand hielt, ab. Dann befreite sie Jack und fragte:„Wusstest du schon, in welcher Autosorte du gerade sitzt?“ Weil er nicht antwortete, meinte Mary: „ Also gut, ich verrat‘s dir: Ein Opel Corsa!“ Da löste Jack sich aus seiner Erstarrung. Vor Freude schenkte er seiner Schwester ein T-shirt mit der Aufschrift „Supergirl“. Dann liefen Jack und Mary zur Polizei und erstatteten Anzeige gegen ihre Stiefurgroßtante. (Wegen dem Einsperren eines Jungen im Opel-Kofferraum und dem Versuch, einer Minderjährigen das Autofahren beizubringen!)
Als die Eltern wieder aus dem Wellnesshotel kamen, musste die Stiefmutter   dem Vater hoch und heilig schwören, die Kinder nie wieder in schlechte Hände zu geben. Die Automechanikerin stand jetzt in allen Zeitungen. Sie war zu einem Jahr Haft verurteilt worden. Jack und Mary aber lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

Jana Ludwig, Klasse 5b2 

Hänsel und Gretel, das Original
Ein modernes Märchen
Es war einmal vor ungefähr 3 Stunden, zwei Kinder. Sie gingen jeden Tag mit ihrer bösen Stiefmutter und ihren Vater (der immer betrunken war) in den Wald. Eines Tages hörte Gretel wie die Stiefmutter zum Vater sprach: „Diese Dreckskinder! Sie haben meine Schminke kaputt gemacht, und  meinen Kuchen gegessen! Wir schicken sie in den Wald! Wenn sie Glück haben, kommt Barack Obama und holt sie mit in die USA!“ „Jo-Jo“, rief der Vater. „wenn ich noch Morje Fußball gucke darf und Bier trinke kann, ist es mir wurscht! Aber trotzdem: Morje is es wichtig, dass ma früh ankomme, es spielt Morje Deutschland gegen Türkei!“
Gretel lief aufgeregt zu ihren Bruder: „Hänsel, Hänsel! „Unsere Eltern wollen uns morgen im Wald aussetzen, und ach ja, du schuldest mir 3,50!“. Hänsel, der so superschlau war, ging nach draußen und holte ein paar Steine, die glänzten. Am nächsten Morgen wurden sie früh aufgeweckt. Jeder bekam ein Stück Brot. Als sie losgingen, drehte sich Hänsel die ganze Zeit um. Die böse Frau fragte, warum er das tue. Da antwortete er: „Ach, da oben sitzt meine Katze. Wer wird ihr jetzt Fressen geben?“ Da schrie sie: „Jetzt komm, du bescheuertes Kind, oder ich klatsch dir eine!“
Im Wald angekommen, schliefen sie direkt ein. Als die Kinder aufwachten, weinte das Mädchen: „Oh Hänsel, du Blödmann! Die Steine, du hast sie nicht auf den Weg fallen lassen!“. „Hä?“, fragt der Junge. „Ich hab sie mitgenommen zum Essen!“ Sie gingen eine Weile hin und her bis sie an einen Haus ankamen, das aus Lebkuchen bestand. Gierig machten sich die Kinder daran. Danach legten sie sich zum Schlafen auf den Boden. Plötzlich erklang eine Stimme: „Knusper, knusper Knäuschen. Wer knuspert an meinem …?“. „Ruhe, ich will pennen!“, schrien die Kinder. Eine Gestalt kam heraus. Es war eine Hexe .Sie war so hässlich, dass die Kinder erneut schrien. Sie packten die Hexe und schmissen sie in den Ofen. Sie verbrannte, dabei sang sie: „It’s my life…“. Die Kinder klauten ihr Gold und verschwanden.
Sie fanden wieder den Weg nach Hause. Der Vater war da und fing an zu weinen. So konnte jeder das Spiel Deutschland gegen die Türkei sehen. Und wenn sie nicht gestorben sind, was ich bezweifle, dann stänkern sie noch heute.

Ines Shkembi, Klasse 5b2  



Machen Kleider Leute? Ein Gerichtsspiel zu Gottfried Kellers Novelle (Klasse 8)

Wir, die  Klasse 8b2, haben im Deutschunterricht im Schuljahr 2008/09 die Lektüre „Kleider machen Leute“ behandelt.

Erstmal eine kurze Zusammenfassung, da bestimmt einige von euch das Buch noch nicht gelesen haben (für die Jüngeren unter euch: kommt bestimmt noch!):

Um was geht's?

In dieser Lektüre geht es um den arbeitslosen Schneider Wenzel Strapinski, der wegen seinem vornehmen Aussehen und Verhalten für einen Grafen gehalten wird. Er nimmt unfreiwillig seine Rolle als Graf in dem Dorf Seldwyla an und genießt dabei auch so manche Vorrechte, wie z.B. Essen umsonst. Als er dann auch noch der hübschen Nettchen begegnet und sich in sie verliebt und später sich sogar mit ihr verlobt, fliegt plötzlich der Betrug auf. Nettchen will ihn jedoch aus Liebe trotzdem heiraten. Im Buch wird Wenzel freigesprochen.

Um festzustellen ob wir ein ähnliches Urteil fällen würden, haben wir als etwas größeres Rollenspiel die Gerichtsverhandlung nachgestellt. Wir haben versucht, das Ganze so realitätsnah wie möglich nachzuspielen und einen echten Gerichtsaal nachgebaut. Wichtige Rollen waren natürlich die Charaktere des Buches, aber auch die Schöffen, Richter, Gerichtsdiener, der Polizist und auch die Geschworenen.

Wenzel auf der Anklagebank!

Am ersten April war es schließlich soweit, wir trafen uns vor dem „Gerichtsaal“ (Raum 143) und nachdem alle ihre Plätze gefunden hatten und ein kurzes Interview gehalten wurde, betraten die ehrenwerten Richter den Saal. Der Prozess begann mit den Plädoyers durch die Anklage (Adriane Höfeld und Till Ole Renger) und die Verteidigung (Laura Mathieu und Elena Evangelidis), als Erster wurde der Angeklagte Wenzel Strapinski (Tibor Sprick) vernommen, welcher wegen folgender Vergehen angeklagt wurde:

Absichtlicher Betrug
Vorspieglung falscher Tatsachen
Geldunterschlagung von ca. 732 Brabanter Taler
Heiratsschwindel
Verführung Minderjähriger
Missbrauch

Nachdem die Anklage verlesen wurde, wurde von „Wenzel Strapinski“ natürlich alles sofort abgestritten. Laut Wenzels Aussage hätte die gute Erziehung seiner Mutter ihm diese Taten gar nicht ermöglicht. Doch die Ankläger ließen nicht locker und brachten immer wieder neue Argumente auf, was Strapinski vorzuwerfen sei. Aber auch die Verteidigung war nicht schlecht und schloss schon so einige Argumente aus. Der Vorwurf des Heiratsschwindels und des Missbrauchs wurde sogar fast von Beginn an ausgeschlossen. „Denn wer würde einen Mann heiraten, der einen vorher belästigt hat?“, sagte die glücklich verlobte Nettchen bei ihrer Befragung. Interessanterweise stellte sich heraus, dass Wenzel –nach eigener Aussage- Nettchen bei seinem Besuch beim Staatsanwalt kennen gelernt hat! Dieser fragte nämlich „Wie lernten Sie Nettchen kennen?“
Darauf sagte er voller Überzeugung: „Ich habe Nettchen kennengelernt, als ich bei dem Staatsanwalt eingeladen worden bin...“
Naja, dieses Missverständnis wurde jedoch kurz danach aufgeklärt ;).

Auch später noch wurde durch den Angeklagten Skepsis hervorgerufen, z.B. durch eine fragliche Quittung, die von einem Wirt ausgestellt geworden sei, bei dem er sein Essen nicht bezahlt haben soll, was er aber nach wie vor abstritt. Nachdem es eine Ewigkeit lang keine Ergebnisse gab, wurde dieser Anklagepunkt erst einmal zurückgestellt, da der Aussteller der fraglichen Quittung mit einer Fischvergiftung im Bett lag.
Bei der späteren Befragung der Hilfsköchin wurde aber festgestellt, dass die Quittung höchstwahrscheinlich echt sei.

Wenzel schwer belastet!

Als erster Zeuge der Anklage stand der Kläger Melchior Böhni (gespielt von Laura Mechenbier) auf dem Programm, der voll und ganz davon überzeugt war, dass Wenzel in allen Punkten schuldig ist. Die Verteidigung versuchte, ihm mit allen Mitteln eine Straftat anzuhängen, um von den möglichen Straftaten Wenzels abzulenken. Unter anderem soll Böhni an einem illegalen Glücksspiel teilgenommen haben, dessen er sich auch gleich bezichtigte. Auf seine Anklage beharrte Böhni jedoch weiterhin, es sei doch etwas anderes, an einem illegalen Glücksspiel teilzunehmen, als ein ganzes Dorf zu „verarschen“. Aber er soll Nettchen ebenfalls belästigt haben, indem er ihr, trotz ihrer Minderjährigkeit, einen Heiratsantrag gemacht hat. Dies stritt er jedoch, genau wie Wenzel, unter Protest ab, er habe schließlich Nettchens Vater um Erlaubnis gebeten. Trotzdem darf Böhni den Ort vorerst nicht verlassen, da gegen ihn eventuell auch ein Haftbefehl erlassen werden sollte.

Nettchen steht zu Wenzel!

Die erste Zeugin der Verteidigung war die viel besagte Nettchen (Janis Herber), übrigens die Erste, die den Schwur auf Gott ablegte. Sie schilderte die Geschichte aus ihrer Sicht und schloss somit einige Zweifel an der Liebe Wenzels aus und bestätigte selbst, ihn trotz allem noch heiraten zu wollen. Sie war ebenfalls die erste, die Wenzels ehemaligen Schneidermeister beschuldigte, dass er, mit Böhni zusammen, Wenzel absichtlich hatte auffliegen lassen.

Ein leicht verwirrter Amtsrat

Nettchens Vater, der Amtsrat des Dorfes (gespielt von Jannik Schäfer), der ursprünglich auf der Seite der Anklage war, zeigte sich plötzlich unentschlossen, was die Schuld Wenzels anging: Er sagte, wenn Wenzel sich von Anfang an als das gezeigt hätte, was er wirklich war, hätte er der Hochzeit nie zugestimmt, vor allem weil Wenzel dann seiner Meinung nach Nettchen nur wegen des Geldes geheiratet hätte. Andererseits wollte er nur das Beste für seine Tochter, in der Liebe wie im Finanziellen, und würde deshalb der Hochzeit trotzdem zustimmen. Da der Amtsrat sich später widersprüchlich zu seiner vorherigen Aussage äußerte, wurde er vom Richter zur Ordnung gerufen, da er sich sonst einer Straftat bezichtigen müsste und verweigerte die weitere Aussage.

Der Kutscher ist sauer

Eine überraschende Wende nahm der Prozess jedoch, als der Kutscher (Behdad Majedabadi), der Wenzel anfangs ins Dorf brachte, vernommen wurde. Dieser hatte aus Wut auf die Undankbarkeit Wenzels das Gerücht, er sei ein Graf, in die Welt gesetzt. Erstaunlicherweise nahm der Kutscher in diesem Prozess die ganze Schuld auf sich, die eigentlich Wenzel erteilt wurde. Das sagte er jedenfalls am Anfang. Deshalb wiederholte die Staatsanwältin immer wider die Frage, ob er denn wirklich die ganze Schuld für das Verhalten und den Betrug Wenzels auf sich nehmen wolle. Nach langer Diskussion wurde der Irrtum schließlich von Schöffin Simone Rosinus aufgeklärt, da der Kutscher beim weiteren Verlauf der Handlung gar nicht dabei war und somit nicht schuldig sein kann.
Da der Wirt ja wegen einer Fischvergiftung nicht vernehmungsfähig war, wurde zumindest seine Anklage verlesen, in der eindeutig klar wurde, dass er Wenzel für schuldig hält. In seinen Augen sei Wenzel ein Betrüger, da er seinen besten Wein getrunken habe und sein Mahl bei ihm eingenommen habe, behauptet hätte, er sei verfolgt worden und darüber hinaus noch die Zeche geprellt habe. Dies führte natürlich wieder zu der unvermeidlichen Diskussion über die fragliche Quittung.

Umsonst geschlemmt?

Nach einer kurzen Mittagspause wurde deshalb die Köchin (Ivona Skopljanac) des Wirts, Zeugin der Verteidigung, aufgerufen. Sie bestätigte, wie bereits gesagt, dass der Wirt seine Quittungen immer so ausstelle. Die Staatsanwaltschaft gab allerdings zu bedenken, dass solche Quittungen –ohne Datum, Unterschrift und Ort- ungültig seien.
Danach wurde auch von der Köchin immer wieder bestätigt, dass Wenzel genug Gelegenheiten gehabt hätte, um klarzustellen, dass er kein Graf sei.

Als letzter Zeuge der Anklage wurde schließlich der ehemalige Schneidermeister von Wenzel (Francisca Werner) aufgerufen. Da er dachte, Wenzel wäre ihm wegen einer Geschäftsschwankung abgehauen, war er natürlich auch fest davon überzeugt, dass Wenzel ein Betrüger sei, da er sich anscheinend nicht um eine neue Arbeit bemüht hatte, sondern sich das Leben als falscher Graf schön gemacht hatte.

Den Vorwurf Nettchens, er hätte den Betrug absichtlich auffliegen lassen, wies er zurück, da er ihn nur als Bekannten begrüßt habe und nichts von seiner Grafenrolle wusste.
Damit wurde die Beweisaufnahme geschlossen und die Sitzung für kurze Zeit unterbrochen, damit die Richter und Schöffen ihre Plädoyers vorbereiten konnten und wieder einige Interviews gehalten werden konnten, um die Meinungen über den Verlauf der Verhandlung bis zu diesem Zeitpunkt festzuhalten. Nettchen und Agathe Bauer, Köchin im Gasthaus „Zur Waage“, meinten z.B., dass Wenzel wahrscheinlich in den meisten, jedoch nicht in allen Punkten freigesprochen wird, und sowie der Kutscher als auch Melchior Böhni befürchteten teilweise, dass ein Verfahren auf sie zukommen könnte. Der Amtsrat gab offiziell bekannt, seine Meinung geändert zu haben, und Wenzel sagte auf die Frage, wie es mit ihm und Nettchen denn weiterginge, dass sie auf jeden Fall heiraten würden, sofern er nicht ins Gefängnis muss oder die Todesstrafe bekommt...

Richter Simshäuser urteilt ...

Danach wurden die Plädoyers der Anklage und der Verteidigung verlesen, woraus Richter Simshäuser das Urteil zog, dass die Anklage des absichtlichen Betruges weiterhin bestand. Er erklärte in seinem Plädoyer à la Alexander Hold , dass die Geschworenen darüber zu urteilen hätten, ob absichtlicher Betrug in Tateinheit mit Vorspiegelung falscher Tatsachen bestand, eine Geldunterschlagung gegeben war, versuchter Heiratsschwindel begangen wurde und ob Missbrauch Minderjähriger in Tateinheit mit Missbrauch widerstandsunfähiger Personen bestand. Nachdem sich die Geschworenen beraten hatten, kamen sie schließlich mit dem Urteil zurück, das von dem Oberhaupt der Geschworenen verlesen werden sollte. Doch zuerst sollte Wenzel sein letztes Wort sprechen.
Er sagte, dass es ihm leid tut, nicht gesagt zu haben, dass er kein Graf ist und dass es ihm leid tut, dass er Melchior Böhni sein Geld nicht zurückerstattet hat, dass das aber noch passieren wird.

Dann verlas das Oberhaupt der Geschworenen das Urteil:

Im Punkt der Geldunterschlagung wird Wenzel freigesprochen, ebenso in den Punkten Heiratsschwindel, Verführung Minderjähriger und Missbrauch Minderjähriger. Er behält jedoch die Schuld im Punkt absichtlicher Betrug.

Wieder einmal zogen sich Schöffen und Richter zurück, um über das Urteil zu beraten. Die Meinungen, wie das Strafmaß ausfallen sollte, waren unterschiedlich, aber die Gefängnisstrafe wurde einstimmig abgelehnt. Es wurde über Tagessätze von drei Stück Kuchen spekuliert, was aber später als „zu gierig“ empfunden wurde, über die Todesstrafe (April, April!!!) und Geldstrafe. Aber bei der Kuchenstrafe sollte es bleiben, sprich einem „Festmahl“ für die Einwohner des Dorfes (bzw. die Einwohner unserer Klasse), und Wenzel sollte das Geld nebst Zinsen und Zuschlag, weil er so lange gebraucht hat, zurückzahlen. Gegen Melchior Böhni sollte ein zusätzlicher Prozess wegen übler Nachrede und Verleumdung eingeleitet werden. Nachdem Richter Simshäuser für das Volk und Herrn Wenzel Strapinski eine Moralpredigt gehalten hatte, erlaubte er Nettchen und Wenzel abschließend sogar eine UMARMUNG, bevor er die Sitzung endgültig abschoss.

Nach und nach sind jedenfalls wieder alle in der Gegenwart angekommen, und von der gespielten Schüchternheit „Wenzels“ war plötzlich nichts mehr zu spüren und er zitierte die Durchsage, die irgendwann während des Gerichtsspiels plötzlich aufgetaucht war: „Hey, Lukas, hast du schon gehört?? – Ja, Manuel!!“

Der „Amtsrat“ zeigte sich auf einmal auch entschlossen und schlug vor, den Film, der netterweise von Julius Kilger beim Gerichtsspiel gedreht wurde, während des Festbanketts gemeinsam anzusehen. Nachdem von Herr Simshäuser die Mitwirkenden des Gerichtsspiels (also alle) erwähnt und lautstark beklatscht und bejubelt wurden, erhielt auch Herr Simshäuser einen verfrühten Schokohasen als Geschenk und wurde auch von Beifall für seine überzeugende Rolle überhäuft.

Insgesamt war es außerordentlich spannend zu sehen, wie die Schüler in ihre Rollen schlüpften und sie auch alle äußerst überzeugend rüberbrachten, aber viel wichtiger ist, dass es uns allen total viel Spaß gemacht hat!!!


Catharina Marzi und Josefine Dusemund